Kapelle de Keins

Unsere Liebe Frau von ‘De Keins’

Die Keinskapelle liegt nördlich von Schagen und steht am Westfriesischen Deich inmitten einer Anzahl von Bauernhöfen und Einfamilienhäusern. Zusammen bilden sie den Ortsweiler ‘De Keins’. Der Name stammt von “kin”, was Fahrrinne bedeutet. Eine andere Erklärung des Namens besagt, dass es abgeleitet ist von Kinheim, das heißt “königliches Heim”. Im 15. Jahrhundert bestand die Umgebung aus Untiefen, Sumpfland und Fahrrinnen, die in offener Verbindung mit dem Wattenmeer standen.

Um etwa 1510 wurde am Westfriesischen Deich eine kleine, hölzerne Marienfigur angeschwemmt. Sie soll vom Vordersteven eines portugiesischen Schiffes weggerissen sein. Gläubige erbarmten sich der Marienfigur, säuberten sie mit Wasser aus dem nächsten Brunnen von Seegras und gaben ihr einen Platz in einem kleinen Haus auf dem Deich. Es fanden einige wundersame Gebetserhörungen statt. Aus diesem Grunde wurde dort im Jahre 1519 eine Kapelle errichtet. Jährlich durfte innerhalb der Pfarreigrenzen von Schagen eine Prozession mit der Marienfigur abgehalten werden. Auch der Brunnen, in dem die Figur gereinigt wurde, wird geehrt. Denn das Wasser aus diesem Brunnen hatte für einige Menschen eine heilende Wirkung.

Als sich die protestantische Reformation auch hier ausbreitete, wurde die Kapelle 1586 von einem gewissen Taet Gerritz verwüstet. Durch Bußtaten haben sich die Kinder dieses Freibeuters um Wiedergutmachung der Übeltaten ihres Vaters bemüht. Nach jener Zeit waren die Figur und die Kapelle verschwunden. Jahrhundertelang blieb die Figur verschollen, bis eine unbekannt gebliebene Familie die Marienfigur dem Westfriesischen Museum in Hoorn anvertraute. Offenbar haben Leute die Figur während des Bildersturms rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Die Figur ist zur Untersuchung zum Catharijnenconvent in Utrecht gebracht worden. Aus der Untersuchung ergab sich, dass die Figur wahrscheinlich um 1475 geschnitzt worden ist.Sie ist aus Eichenholz gemacht und mindestens einmal übermalt worden. Außerdem enthielt die Figur Salzkristalle, was die Vermutung, dass es sich um eine Gallionsfigur handelt, bestätigt. Die Beweisführung ist aber nicht wasserdicht. Momentan steht die Figur wieder im Westfriesischen Museum. Ein Foto der Figur finden Sie auf der Vorderseite.

Die Marienverehrung wurde nach der Zerstörung der Kapelle um den Brunnen herum noch bescheiden fortgeführt. Im Jahre 1924 hat der damalige Pfarrer von Schagen J. Heeswijk das Grundstück, wo sich der Brunnen befand, gekauft. 1954 hat Pfarrer H. Brouwer die Initiative ergriffen, die Marienkapelle wiederaufzubauen. Der damalige Bischof von Haarlem Monseigneur J.P. Huiberts, der selber ein großer Marienverehrer war, erteilte am 23. August 1954 die Genehmigung für den Bau.

Die neue Kapelle ist von Jozef Overtoom aus Schagen erbaut worden und die Marienstatue, die jetzt in der Kapelle steht, stammt aus einem Kunstatelier aus Beesel und wurde von Jules Rummens angefertigt. Am 15. August 1956 wurde die Kapelle von Pfarrer H. Brouwer eingeweiht. Es ist heutzutage ein Haus der Begegnung mit einer königlichen Frau.

Wen besuchen Sie?

Wer eine Marienkapelle betritt oder anklopft bei Maria, kommt zur Mutter Jesu. Um die Welt aus dem Griff des Bösen zu retten, ruft Gott bestimmte Personen für besondere Aufgaben. In einer langen Reihe von außergewöhnlichen Frauen ist Maria von besonderer Größe. Sie wurde Gottes Tor zur Welt für den Messias. Sie stimmte bedingungslos Gottes Heilsplan für die Welt, durch ihr Ja-Wort an den Engel Gottes, zu. Maria war völlig für Gottes Wort offen.

Wo Menschen keinen Ausweg mehr sehen, da macht Gott auf wunderbare Weise einen neuen Anfang durch die Kraft des Heiligen Geistes. Maria hat dies auf einzigartige Weise erfahren, da sie die Mutter von Gottes Sohn werden durfte.

Ihre Auserwählung war keine Erfolgsgeschichte. Enttäusschungen blieben ihr nicht erspart. Sie musste mit ihrem Verlobten Josef für Jesus um Asyl bitten, und später wurde ihr Sohn, wenn auch unschuldig, durch Kreuzestod ermordet. Maria selbst war Augenzeugin. Kurz vor seinem Tod vertraute Jesus seine Mutter der Menschheit an. Seitdem steht sie immer im Dienste ihres Sohnes und ist völlig verfügbar um Menschen zu helfen den Weg zu Christus wieder zu entdecken, der mit uns einen neuen Anfang machen will, der uns heilt, der uns von Versklavungen freimacht, der uns mit seinem Wort ermutigt und uns durch seinen Geist tröstet. Aus Liebe für uns lenkt Maria die Aufmerksamkeit Jesu auf unsere Sorgen. Durch ihre Lebenserfahrung hat sie eine starke Empfindsamkeit für unsere Schmerzen. Sehr viele Menschen haben dies erfahren und deshalb haben viele Generationen sie selig gepriesen. Auf diese Weise entstand die besondere Verehrung für Maria.

Wenn Menschen sich im Gebet Maria zuwenden, werden sie sie nicht anbeten, sondern um Hilfe bitten, die Gunst Gottes zu erlangen. Die Liebe für Maria soll keine Einbahnstraße sein. Sie bringt unsere Gebete zu ihrem Sohn, aber sie bittet auch uns im Namen ihres Sohnes an Gottes Heilsplan mitzuwirken.

Am Besten zeigen wir unsere Dankbarkeit für Maria durch eine große Liebe für Gottes Wort, die Bibel, durch Dienst am Mitmenschen, durch unser Gebet für den Weltfrieden und dadurch, dass wir ihrem Lobgesang in unserem Leben einen Platz verleihen. Ihre Ausstrahlung von Liebe ist außergewöhnlich stark und weltweit. Jede Kerze, die wir bei ihr anzünden, verstärkt diese Liebe.

Emeritus Pfarrer J.A. van der Stok